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  • 1: Startseite  

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  • 2: Felix Strasser /
    Die Spielmacher
     

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  • 3: Aktuelle Inszenierungen / Projektübersicht  

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  • 4: Theaterpädagogik  

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  • 5: Inszenierungen  

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  • 6: Moderation  

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  • 7: Veröffentlichungen  

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  • 8: Galerie  

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  • 9: Pressespiegel  
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    • 9.1: Die Geschichte von Thelma & Louise  

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    • 9.2: Die Glückskinder  

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    • 9.3: Kleiner Werwolf  

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    • 9.4: 9/11  

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    • 9.5: Best of Nibelungen  

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    • 9.6: Das ist Esther  

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    • 9.7: Pleasant View  

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    • 9.8: Querschläger  

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    • 9.9: König Lindwurm  

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    • 9.10: Gehen wir, der Wagen wartet  

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    • 9.11: Genua 01  

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    • 9.12: Traumhalden  

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    • 9.13: Projekt Schwabenkinder  

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    • 9.14: Love of my life  

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    • 9.15: Theaterpädagogischer Kongress 2009  

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    • 9.16: Moderation  

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    • 9.17: Theaterpädagogische Projekte  

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    • 9.18: Theaterpädagogische Beratung  

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    • 9.19: Weitere Artikel zu den Spielmachern  

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  • 10: Partner / Netzwerk  

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PRESSEREZENSIONEN ZU „GEHEN WIR, DER WAGEN WARTET (DSE)“

Theater heute, Ausgabe 11.2008

ZWEI KILLERMÄUSE

Von Andreas Klaeui

 

Zwei Schwestern im Geist sind Mascha und Julia, von Tschechow so entfernt wie ihre „Proletenstadt“ Toljatti von einer Garnisonsstadt in der Provinz – also alles in allem nicht sehr weit. Die Unterschiede sind gradueller Art – das existenzielle Sehnen bleibt. Toljatti heißt nach dem ehemaligen Generalsekretär der italienischen KP Palmiro Togliatti und ist der Ort, wo die Wolga-Automobil-Werke ihren Lizenz-Fiat produzierten. Nichts für Mascha und Julia.

 

Sie sehnen sich weg und bleiben doch gefangen in ihren Lebensumständen. „Hast du dich verändert?“, fragt Mascha am Ende; und die Prognose scheint ungünstig: „Dann habe ich den einen getötet“, bilanziert sie. „Und dann den zweiten. Und was dann? Nach einiger Zeit wurde mir unheimlich – weil sich nichts verändert hatte. Hast du nichts verstanden? Das Licht ist nicht dunkler geworden, der Himmel hat nicht gezittert, keine Stimme hat sich aus dem Himmel ergossen, der Busch hat nicht angefangen zu brennen, die Reiter sind nicht angaloppiert … die Welt spuckt darauf, was wir machen.

 

Eingangs winden sich die beiden Schwestern gefesselt im unteren Teil der fahrbaren Gerüstwand, die Stephan Testi als einziges Dekor in die Spiegelhalle gebaut hat, während auf dem oberen Laufsteg zwei „Pulp-Fiction“-Typen einen Song von heulenden Nutten grölen. Das trifft einigermaßen die Grundsituation. Jurij Klavdiev baut sie symmetrisch aus: zwei Protagonistinnen, zwei Begegnungen. Julia ist die frivole Lebensmutige, Mascha die illusionslose Sterbelustige. Julia würde gern den Kick erleben, jemanden umzubringen; Mascha hat es mehr mit „dieser ganzen verfaulten Metaphysik“ und ihrem daraus resultierenden Wunsch, das Leben wegzuwerfen. Also ziehen sie zu den aufgelassenen Datschen, fantasieren sich als Bonnie & Clyde oder Thelma & Louise und plaudern metaphysisch, bis sie erst einem Clochard begegnen, den Julia spaßeshalber halb tot tritt, und hernach den beiden singenden Schlägern, die nun etwas Seriosität in die Sache bringen und Maschas Sterbewunsch umstandslos nachkommen wollen.

 

Das sorgt dann doch für Veränderung. Der Überlebenstrieb ist stärker, Mascha wehrt sich und tötet die Aggressoren. Ziemlich zerzaust stehen die beiden Mädchen am Ende da. Doch können sie nun wegfahren: „Gehen wir, der Wagen wartet.“

 

Klavdievs Entwicklungsstory ist von übersichtlichem Existenzialismus; erzählt in Vor- und Rückblenden und einem explosiven Tonfall. Felix Strasser (der in Konstanz das Junge Theater mitleitet) inszeniert straight forward, offensiv ins Publikum, er wird laut, wo auch Klavdiev laut ist, und gibt dem klapperigen metaphysischen Überbau nicht zu viel Gewicht. Dafür greift er die im Text liegenden Filmassoziationen auf und lässt immer wieder farbige Bilder aus „Thelma & Louise“ die graue russische Szenerie überlagern. Wie ein Fantasma im Kopf der bleichen Killermäuse. Die hasten genretypisch durch den Showdown, angemessen atemlos, wenngleich Sabrina Strehl ihre Julia schnell auf coole Koketterie festlegt, was ihr gegenüber der schön schlingernden Mascha von Monika Vivell an Gewicht nimmt. Russland am Bodensee.

 

 

 

Nachtkritik vom 27.09.2008.

AM RANDE DER BEWOHNBAREN WELT

Von Michael Laages

 

Konstanz, 27. September 2008. Unpassender geht's eigentlich nicht – draußen am Hafen trägt der Spätsommerabend unübersehbar französische Farben: beim Pariser Volksfest ganz in rot und weiß und blau, mit Eiffelturm aus Neonlicht und Feuerwerk. Als das zum Finale über den See böllert, sind die beiden Toten längst von der Bühne geräumt – in der Spiegelhalle, wo mitten auf der Vergnügungsmeile des Konstanzer Seehafens das Junge Theater der Stadt zu Hause ist.

Draußen Volksfestleben, drinnen Tod und Verstörung; draußen Paris, drinnen Togliatti – hier, tausend Kilometer von Moskau entfernt, in einer gesichtslosen Stadt, der die sowjetischen Wirtschaftsplaner früherer Epochen den Namen des italienischen Kommunistenführers gaben, um sozusagen in dessen Namen Autos mit Fiat-Lizenz bauen zu lassen, spielt das grobe kleine Stück des russischen Dramatikers Jurij Klavdiev.

 

Die Russen in Konstanz

Der ist Mitte 30 und stammt aus Togliatti – "Gehen wir, der Wagen wartet" ist eins der ersten beiden Stücke von ihm, die im Moskauer Theater der Gegenwart Aufsehen erregten. Neben Tschechows "Drei Schwestern" in der Version von Andrej Woron das zweite russische Theaterbild dieser Saison in Konstanz, wo das Team des Intendanten Christoph Nix tatsächlich eine ganze Spielzeit lang fast ausschließlich auf russische Theater-Sprache setzt.

Russlands Theater über die Jahrhunderte, von Tschechow und Erdman bis zu Wyrypajew und den Gebrüdern Presnjakow, wird hier verstanden als splitternder Spiegel der Umbrüche: Überholen, ohne einzuholen – das alte Chruschtschow-Wort bewahrheitet sich ja seit der Abschaffung der Sowjetmacht auf unerwartbar absurde Weise. Wenn die einstige Heimat des kommunistischen Gegenentwurfs nun all den himmelsstürmerischen Irrsinn des Kapitalismus, all dessen Fortschritt und Perversion im Geschwindschritt nachholt. Und das neue Russland auch des Jurij Klavdiev zeigt dem siegreichen Westen das ungeschminkte Spiegelbild: glanzlos, kalt, mörderisch.

 

Thelma und Louise in Togliatti

Julia und Mascha, Klavdievs Heldinnen in "Gehen wir, der Wagen wartet", sind so ein Spiegelbild; und nicht umsonst zitieren sie in Felix Strassers deutschsprachiger Erstaufführung "Thelma und Louise", die beiden männerverschlingenden Alltagsausbrecherinnen des amerikanischen Kinos. Auch die beiden jungen Frauen aus Togliatti stecken mitten in so einem Flucht-Exzess, weg wollen sie vom geregelten Leben hinter der Kasse im Supermarkt oder sonstwo im Büro – die eine will endlich Spaß, nichts als Spaß ohne Grenzen, die andere verstrickt sich in eine offensive Depression; die eine würde ganz gern auch mal den Thrill des Tötens erleben, die andere denkt eher daran, das eigene Leben wegzuwerfen, um "zu sehen, ob es noch irgendwo irgendetwas anderes gibt". Der Showdown findet bei den verlassenen Datschen am Rande der bewohnbaren Welt statt.

Dort philosophieren sie noch eine Weile ziemlich steil über Töten oder Sterben, bis ihnen ein greiser Penner über Weg läuft; den tritt Julia beinahe tot. Die zweite Begegnung ist dann schon die letzte: die mit zwei Hooligans der finstersten Sorte, die Maschas Todeswunsch nur zu gern erfüllen möchten, vorherige brutale Vergewaltigung inklusive. Maschas Überlebenswille aber ist stärker, ihre bis dahin nur gegen sich selbst gerichtete Negativ-Energie trifft nun die bösen Jungs – das Opfer wird Täter. Und sterben will sie nun auch nicht mehr, nachdem sie ihrerseits die beiden ins Jenseits befördert hat.

 

Spekulative Überanstrengung

Ein finstrer Lernprozess ist Klavdievs Text, aufgeladen allerdings mit einer Überdosis Gegrübel der Frauen über sich selbst, über die Weltesche Yggdrasil aus der nordischen Sage und noch mancherlei pseudoreligiöse Welterklärungs- und –erlösungstheorie mehr. Erzählt ist der Text außerhalb der Chronologie, mal vorwärts, mal rückwärts; roh gezimmert ist er auch, ruppig und böse, absichtsvoll unausgewogen zwischen dem Plot und Palaver.

Stephan Testi hat dafür eine drehbare Gerüstwand, fast vollverkleidet mit abreissbaren Rupfentapeten, in die leere Spiegelhalle gebaut, und Felix Strasser lässt die beiden sehr bemerkenswerten Protagonistinnen Sabrina Strehl und Monika Vivell als ziemlich scharfe Miezen durch den Showdown driften. Ein bisschen Freundinnen-Geknutsche darf auch sein. Die arg spekulative Überanstrengung der eher überschaubaren Fabel allerdings bekommt er so nicht in den Griff; die Gefahr bleibt, dass die Geschichte der wilden Schwestern von Togliatti als lärmiges Fast-Nichts wahrgenommen werden.

Aber mit diesem Text ist zu Beginn des russischen Jahres in Konstanz die sicher gröbste und gegenwärtigste Facette mit im Spiel. Dass das Junge Theater unter dem Dach der städtischen Bühne dieses Stück vorstellt, fällt im übrigen kaum auf – die Alten werden sich an diese Jugend wohl gewöhnen müssen. Und die Konstanzer daran, dass Russland (und Togliatti) nun für eine Weile am Bodensee liegt.

 

 

 

Südkurier Kultur See vom 01.10.2008

Gewalt in der Provinz

Von Brigitte Elsner-Heller

 

Träume sind Illusionen. Nicht selten zumindest. Dass sie in der Provinz ebenso ihren Nährboden finden wie in der Großstadt, dürfte sicher sein. Wobei die Metropolen sie sogar noch eher bedienen oder Ablenkung schaffen.

Was aber machen zwei junge Frauen in der Provinz, hier: In der russischen Provinz, die einen tristen Alltag voller Gewalt erleben? „Das ist Vegetieren. Ich würde gern leben“, lässt der junge russische Autor Jurij Klavdiev in „Gehen wir, der Wagen wartet“ seine Mascha sagen. Nur, um ihr im gleichen Atemzug eine metaphysisch verbrämte (auf germanischen Mythen fußende!) Todessehnsucht mit auf den Weg zu geben. Ihre Freundin Julia übt sich in gegenteiligen, da aktiv auf die Außenwelt gerichteten Fantasien: Sie will Gewalt mit Gewalt gegenübertreten, will sie in einem Rausch überhöhen und damit quasi auch aus den Angeln heben. Thelma und Louise grüßen von der Leinwand, ebenso Bonnie und Clyde, die Arthur Penn einen so ästhetisch ausgefeilten Tod in Zeitlupe hat sterben lassen. Die Ästhetik des gewaltsamen Todes ist eine Domäne des Kinos, das sich von der Realität viel leichter absetzen und Illusionen kultivieren kann als das Theater.

In der Konstanzer Spiegelhalle, wo „Gehen wir, der Wagen wartet“ in der Regie des Theaterpädagogen Felix Strasser seine deutschsprachige Erstaufführung erlebte, versucht man tatsächlich, die Tricks des Kinos für die Sache des Theaters nutzbar zu machen. Wie von Geisterhand bewegt sich ein teilweise mit Tuch verkleidetes Stahlgerüst, das mehrere Spielebenen vorhält und Zeiten sowie Räume voneinander trennt (Ausstattung: Stephan Testi).

Hier sind auch die kleinen Finessen verstaut, die an den Aktionskünstler Nitsch denken lassen: Blut darf durch die Bespannungsfolien rinnen wie einst Salzwasser durch die Salinen. Was vom roten Stoff als „Ernte“ übrig bleibt? Seelische und körperliche Wunden, meint man zu ahnen – auf eine geschlossene Handlungs- und damit Zeitfolge setzt man ohnehin nicht, denn wie der Kultfilm Pulp Fiction ist der „Plot“ aufgelöst und neu montiert. Die Romantik des Songs eines Roadmovies gibt wie eine Widmung an die Träume oder Illusionen den Auftakt. Blutverschmiert treten Mascha (Monika Vivell) und Julia (Sabrina Strehl) danach vor ihr Publikum, berauscht und irritiert von einer Tat, die Blutzoll gefordert hat.

Erst nachdem der Film zurückgespult, das Blut abgewaschen ist und die beiden jungen Frauen in frischen Hosen und T-Shirts über das Leben philosophiert haben, treten Oleg (Thomas Ecke) und Pascha (Nico Selbach) in Aktion. Sie machen schließlich Julia und Mascha, die ausgezogen sind, das Fürchten zu lernen und zu lehren, zu Opfern („Ganz ruhig, Schwester! Ich gehe ja schon, ich hab dich gar nicht angefasst!“). Zuvor schon standen die beiden männlichen Mitspieler, die im Hintergrund eine dominante Rolle spielen (und in der Tat auch die beiden Schauspielerinnen durch ihre Präsenz streckenweise ausstechen) als Musiker auf der Bühne. Aggressiv schleudern sie von der erhöhten Ebene des Stahlgerüstes die kalten und rauschhaften Beats des Death Metal herab, so dass es anschließend kaum noch ins Gewicht fällt, dass Monika Vivell als Mascha einen Plastikstuhl am Gerüst zertrümmert. Dass sich Todessehnsucht mit Gewaltfantasien paart, scheint ein Novum – und hat leider in der Realität längst seine Entsprechung.

Das Stück ist damit eine düstere Bestandsaufnahme, die eine seltsame Mischung von Emotion und Kälte vorhält. Dass Mascha am Ende zwar nicht bereut, aber doch keine Strategie im Töten entdeckt, soll versöhnlich stimmen, wirkt aber künstlich. Wie so manches in diesem Stück, das durch seine Brisanz, sogar durch die Ästhetik der Gewalt verführt. Gut, dass Theaterpädagoge Felix Strasser bei dem Stück Regie führte. Da ist gleich der Fachmann vor Ort, der im Anschluss an die Aufführungen den Diskussionsbedarf befriedigen kann. Oder ihn überhaupt erst einfordern sollte.

 

 

Südkurier Konstanz vom 29.09.2008

Kalt erwischt

Von Maria Schorpp

 

Es gibt wahnsinnig viel zu gucken", verspricht Felix Strasser. Der Leiter des Jungen Theaters hat für die erste Inszenierung in der umgebauten Spiegelhalle ein Hammerstück ausgesucht. Er macht selbst die Regie, Cornelia Steinwachs, neu im Stadttheater, ist die zuständige Dramaturgin. Beide gehören derselben Generation an wie der Autor ihres Stückes "Gehen wir, der Wagen wartet". Jurij Klavdiev ist 1974 in Togliatti geboren, in tiefster russischer Provinz.

Hier ist die Geschichte von Mascha und Julia angesiedelt, zwei jungen Frauen um die 20, die aus dem trüben Leben auszubrechen versuchen und von einem Gewaltexzess gestoppt werden. Felix Strasser hat das Stück, das er für Jugendliche ab 16 als deutschsprachige Erstaufführung erarbeitet hat, beim ersten Lesen "erschlagen". Es geht um eine Sinnsuche, die über das Thema Gewalt verhandelt wird. Dass das alles in Russland verortet ist, spielt irgendwann keine Rolle mehr. Höchstens so, dass es sich um eine Welt handelt, in dem sich nach dem politischen Zusammenbruch ein Loch aufgetan hat, das sich nun mit Gewalt füllt. So beschreibt es die Dramaturgin.

Mit Filmen wie "Pulp Fiction" oder "Thelma und Louise" sind Steinwachs und Strasser aufgewachsen, die dann auch ihre ständigen Bezugspunkte in der Inszenierung sind. "Thelma und Louise", die beiden Frauen, die nur mal kurz übers Wochenende verschwinden wollen und dann von der Polizei als Killerinnen gejagt werden, sind für Julia tatsächlich die kruden Vorbilder. Auch der junge, russische Autors Klavdiev, der erst vor kurzem in Moskau seinen Durchbruch erlebt hat, arbeitet sehr filmisch. Für die zwei Theaterleute insgesamt also ein verlockendes Projekt.

Da ist zum einen die Gewaltästhetik im Film, von der Mascha und Julia fasziniert sind. "Das erscheint einem ganz toll, so leicht", beschreibt es Claudia Steinwachs. Ebenfalls wie im Film ist die zeitliche Abfolge der Szenen aufgelöst. Die Zeitbrüche machen das Stück erst richtig spannend, findet Regisseur Strasser. Auf der Bühne sollen sie mit Einspielungen in einen Erzählzusammenhang gebracht werden. Die Filmzitate werden auf eine mit Tuch bespannte zweistufige Eisenkonstruktion vom Bühnenbildner Stephan Testi projiziert, die sich über den Bühnenraum bewegen lässt. Sie kann die Räume eng machen, wegdrängen, ganz andere Räume öffnen. Sie steht für die äußeren Einflüsse, denen Mascha, gespielt von Monika Vivell, und Julia, gespielt von Sabrina Strehl, wehrlos ausgeliefert sind.

Dann die Gewaltszenen im Stück. Julia, die einfach mal für eine Zeit abhauen will, und Mascha, die irgendwie schwärmerische, aber auch wieder ernstzunehmende Selbstmordgedanken hegt, erwischt es kalt. Mascha antwortet auf Demütigung und Vergewaltigung mit erschreckender Brutalität. Strasser und Steinwachs wollen das nicht realistisch in Szene setzen, sondern haben versucht, dafür "ein starkes Bild zu finden".

Und noch eine Möglichkeit lassen sie offen in ihrer Aufführung: Vielleicht denken sich die beiden Frauen das alles nur aus. Die Flucht vor einer Wirklichkeit, die weh tut, in Gewaltphantasien. Das Kino hat die Realität eingeholt. Wer imitiert da überhaupt wen, fragt die Dramaturgin Steinwachs.

 

Fotos zum Stück



Neuigkeiten und wichtige Termine

--- ab 01. März 2014 ---

KONSTANZ

Felix Strasser übernimmt die Künstlerische Leitung der EVENTPRODUKTION - Theater der Hochschule Konstanz.

www.theater.htwg-konstanz.de

Gerne übernehmen DIE SPIELMACHER auch weiterhin beratende Funktion innerhalb von Theaterprojekten jeder Art oder vermitteln professionelle TheaterpädagogInnen an Sie weiter!